Neue Orgel der katholischen Pfarrkirche ERSCHEINUNG DES HERRN
35329 Nieder-Gemünden

„Im Fantasieren ist man noch weniger gebunden: denn es kann mit schwachen und starken Registern geschehen, nachdem die Einfälle sind, oder nachdem man auf ein trauriges oder lustiges Stück oder Choral zu präludieren hat.“ (Jakob Adlung, um 1730)

Von ebendieser Vielfältigkeit wird die Aufgabe der neuen Orgel in der Liturgie sein:
- Festliches Spiel zum Ein- und Auszug mit den Principa1stimmen, die wie auch der warm füllende Bordun in Mensur und Bauart an schönen Registern von J. J. Dahm (Dietkirchen 1712) orientiert sind. Die Prospektpfeifen von Principa1 4' bekommen eine Legierung mit 93% Zinn, handgehobelt und poliert.
- Ruhiges, besinnliches Spiel etwa zur Kommunion mit Farb- und Charakterstimmen wie der Traversflöte mit ihrer unaufdringlich solistischen Diskantlage, in sich selbst zu begleiten. Halbkreisförmige schmale Aufschnitte nach J. W. Schöler (Gemünden/Westerwald 1765) geben ihr den etwas unwirklichen, poetischen Querflötenklang.
- Begleitung und Anleitung des Gemeindegesanges mit klaren Vorplenumregistrierungen. Für die Orientierung der Gemeinde ist auch die ungleichschwebende Stimmung nach Neidhard hilfreich. Für die Liedvorspiele sind Aliquotmischungen geeignet: Nasardklang eindringlich melancholisch, mit Terz dann farbenfroh.
- Anschmiegsames Begleiten von Scholagesang und Ensemblemusik. Zum Aufhellen der Grundstimmen dient dabei die weite warme Hohlflöte mit fein pastellener Diskantlage. Gedackt 8', angelehnt an das elegante Register einer ehemaligen Lehrerseminarorgel von A. Ratzmann (Gelnhaar 1844), erhält zur Empore hin eigens eine Schwellmöglichkeit.

Solches liturgisches Orgelspiel wird wesentlich erleichtert durch die eigene Klaviatur für Gedackt 8', eine Anordnung, die schon Jakob Adlung in der Bachzeit empfohlen hat. Zugleich wird damit ein großer Teil der mehrmanualig gedachten Orgelliteratur darstellbar und diese Orgel zu einem guten Unterrichtsinstrument.

Die Orgel der kath. Kirche Erscheinung des Herrn Nieder-Gemünden wird 2004/2005 erbaut als Meisterstück von Kilian Gottwald in der Werkstatt Gerald Woehl, Marburg.

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