Restaurierung
34289 Zierenberg/Escheberg

Auf eine nette Weise konnte über den bislang unbekannten Erbauer der 2010/11 restaurierten Orgel auf Gut Escheberg bei Zierenberg Gewissheit erlangt werden: Er hatte offenbar nicht nur Dispositions- und Vertragsentwürfe (leider namenlos), sondern auch einen „Neujahr Gruß“ und Teile des „Liber exercitiorum“ seines Sohnes zum Abdichten der gedackten Pfeifen verwendet. Stolz unterschreibt dieser Sohn das Neujahrsgedicht und probiert seinen Namen nicht nur in deutscher, sondern auch in französischer Schreibweise auf dem Lateinheft. Wir wissen nun von einer bislang unbekannten Orgel aus der Zeit um 1790 des Kasseler Hoforgelmachers Georg Peter Wilhelm. Die Bauweise hatte allerdings die Zuschreibung auch schon vorab ermöglicht, wenngleich Wilhelm in Escheberg wegen der äußerst beengten Platzverhältnisse von seinem recht einheitlichen Prospektschema deutlich abwich und man zunächst auch etwa an Stefan Heeren denken konnte.

Da dieses Instrument technisch sehr gut erhalten war (selbst die Lederpulpeten waren intakt!), konnte die Restaurierung in der Hauptsache vor Ort geschehen und die raffinierte Mechanik musste nicht zerlegt werden. Die Holzpfeifen und die Windlade mit Schleifen und Stöcken haben die Kapelle nicht verlassen. Zwei fehlende Stimmen waren leicht zu rekonstruieren, die neuere Balganlage mit Treteinrichtung sowie die Zwischenkriegsprospektpfeifen wurden belassen.

Der typisch frische und farbenreiche Wilhelm-Klang ist nun auch hier wieder zu erleben. Die Disposition folgt sehr genau einer über Jahrzehnte einheitlichen Linie und auch die Mensurengestaltung weicht von Wilhelms sonstigem Gebrauch nicht ab. Es sind lediglich nur 12 Töne von Gedackt 8’ aus Holz, bei anderen Instrumenten noch einige mehr. Bemerkenswert ist für Wilhelms Klangvorstellung die völlig gleiche Mensurierung der drei Weitchorstimmen 8’, 4’ und 2’, die alle ab dem gleichen klingenden Ton konisch offen sind: 8’ ab f², 4’ ab f’ und 2’ ab f°. Gedeckte 2’-Flageolette trifft man übrigens in Hessen hier und da an. Bemerkenswert ist auch die originale Gambe, die ab c° nicht nur keinerlei Seitenbärte hat (!), sondern als einziges Register dieser Orgel auch keine Kernstiche (woraus man schließen kann, dass die Kernstiche der anderen Pfeifen in dieser kaum veränderten Orgel original sind). Die klangliche Absicht ist somit deutlich und noch jetzt ist der hell-schneidende, etwas lispelnde Ton erhalten. Wilhelm stattete übrigens alle Metallregister, offen oder gedeckt, mit den gleichen, äußerst flachen Kernen aus (ca. 34°!).

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