Wohnfeld OrgelrestaurierungWohnfeld OrgelrestaurierungWohnfeld Orgelrestaurierung Klaviatur

Restaurierung
35327 Wohnfeld

Die kleine Barockorgel in der Evangelischen Kirche Wohnfeld gab einige Rätsel auf. Wenngleich der ursprüngliche Aufstellungsort Effolderbach und die mehrfachen Versetzungen innerhalb der Kirche in Wohnfeld sowie ein Umbau im 19. Jh. gut nachvollziehbar sind, blieb der eigentliche Erbauer bislang ebenso unbekannt wie die Originaldisposition. Zugleich war die vorgefundene Klanggestalt nicht als Ganzes zu erhalten, da sie wesentliche Defizite besaß und zudem das Orgelinnere zu sehr verbaute. Bei der Restaurierung im Jahr 2014 galt es in Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen Thomas Wilhelm daher, gut nachweisbare Aspekte des Ursprungszustandes ebenso zu berücksichtigen wie musikalisch und technisch sinnvolle Änderungen aus neuerer Zeit. Entstanden ist ein sozusagen gleichermaßen konservierendes wie neues Klangbild.
Die Klaviatur weist eine ausgesprochen seltene Besonderheit auf. Eine Untersuchung der Farbfassung ergab auf der Innenseite der offenbar barocken Klaviaturbacken und auf dem Vorsatzbrettchen als unterste Schicht eine Papierung aus äußerst fein und hochwertig in grasgrün-floralem Muster bedruckter Tapete. Intensive Nachforschungen u. a. in Zusammenarbeit mit dem Tapetenmuseum in Kassel brachten dessen Ursprung zwar bislang noch nicht zutage, es gelang aber, ein neues marmoriertes Papier anzufertigen (Diplomrestauratorin Barbara Dietz), welches den ursprünglichen Eindruck überzeugend wiederherstellt.
Auf dem Kirchendachboden hatten sich die alten Keilbälge erhalten, welche nach aufwendiger Restaurierung jetzt wieder links neben der Orgel aufgestellt wurden. Dazu konnten sogar Reste des originalen Gestells verwendet werden.
Bei den Arbeiten an der Windlade wurde unter dem Schleifenleder eine kleine Münze gefunden, ein Frankfurter Kreuzer von 1765. Das mag immerhin ein gewisser Hinweis auf die Erbauungszeit sein.
Klanglich war die Wiedergewinnung der ursprünglichen Stimmen Gedackt 8’ und 4’, deren Reste zuletzt zu einer Stimme zusammengestellt waren, ein spannender Vorgang: Es stellte sich dabei eine überraschend weite Mensurierung vor allem des 8’ mit ebenso überraschend niedrigen Aufschnitten (kaum mehr als ¼ LB!) heraus. Geradezu neobarock muten diese Pfeifen an, die bei niedrigem Winddruck (ca. 55 mm/WS) am besten klingen. Das lyrische Gemshorn 8’, im 19. Jh. aus ältere Spitzflötenpfeifen gewonnen, fügt sich wie die neuere Quinte 3’ bestens ein und ist für ein ländliches Werkchen von großem Nutzen. Und die rekonstruierte Mixtur sorgt für eine frohe, heitere Festlichkeit in der hübschen kleinen Kirche.

Disposition Wohnfeld Orgel

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